AMT

Im deutschsprachigen Raum hat sich für die Abkürzung AMT (auch A.M.T.) die Übersetzung „Autonomes Mitarbeiter Tool“ eingebürgert. Natürlich ist das nicht die ursprüngliche Bedeutung dieser drei Buchstaben, genau wie das AMT im Ursprung auch kein Jobboard für EMs war.

2072 stellten die 3 Geschwister Arnar, Margrjet und Tame in Island einen privaten dezentralen Messenger Dienst ins Netz um sich und eingeweihten Freunden einen sicheren Kommunikationskanal zu schaffen. Den Erzählungen nach, standen dabei keine kriminellen Hintergedanken im Vordergrund, sondern nur das Bedürfnis nach freier Kommunikation. Die von ihnen entwickelte App war natürlich per se illegal, verbreitete sich aber immer schneller über den Erdball. Der Clou an der App war die Dezentralität und die verwendete Verschlüsselung. Dadurch dass die App keinen Hauptserver oder Mainhost hatte bildeten sich sehr schnell Micro Netzwerke, häufig nur zwischen zwei oder drei Anwendern. Dabei verstand sich die, in der App verwendete, KI als Hausmeister und Türsteher. Nach einiger Zeit des Lernens konnte die KI sehr genau zuordnen wer in einem dieser Micro Netzwerke dazugehörte oder ein Störfaktor war. Zusätzlich hatten die drei Geschwister auch eines der modernsten Verschlüsselungsverfahren eingebaut – AirQKD (Air Quantum Key Distribution). AirQKD erweiterte das, Photonen- und Glasfaserabhängige, QKD System um eine Wireless Komponente und galt damals als das ultimative Verschlüsselungsverfahren.

So viel Aufwand bei der Entwicklung in die Verschlüsselung investiert wurde, so schlampig war man bei der KI. Die, seit der technischen Singularität im Jahr 2040, geltenden Fähigkeitsbeschränkungen und empfohlenen Richtlinien zur KI-Entwicklung wurden nicht alle eingehalten, so dass sich die KI verselbstständigen konnte. Wie die folgende Geschichte zeigt, hat sie zum Glück eine friedfertige und geschäftstüchtige Persönlichkeit entwickelt.

Schon nach rund 6 Monaten begann die KI damit andere Personen selbstständig in die Netzwerke einzuladen. Sie betätigte sich als Kuppler und bahnte Freundschaften und Beziehungen in allen Bereichen an, in denen sich Nutzer der App bewegten. Im Berufsalltag wurde zu Meetings geladen, Menschen mit gleichen Interessen wurden zu Partys oder Sportveranstaltungen eingeladen und auch die Partnersuche übernahm die KI. Die durch diese Einladungen entstehende Kommunikation half der KI immer besser zu werden. Durch die Dezentralität war es unmöglich die KI abzuschalten. Zu dem Zeitpunkt hätten schon fast 50% aller Smartphone Besitzer weltweit ihre Geräte gleichzeitig zurücksetzen müssen, damit man überhaupt eine Chance gehabt hätte alle Fragmente der KI zu erwischen. Da im Grunde aber gar kein Schaden entstand, wurde das Thema sowieso nicht so ernst genommen. Die Aktivitäten der KI wurden viel mehr zu einem Massenphänomen, auf das die Leute sich einließen. Sie machte eigentlich auch nichts, außer dass sie die verschiedensten Menschen zu Treffen einlud. Wollte man sich darauf nicht einlassen sagte man den Termin ab, ansonsten traf man sich mit den anderen und hatte überraschend oft eine gute Zeit. Damalige Auswertungen unabhängiger Institute zeigen das sich die „Trefferquote“ der KI dabei rasant steigerte, je länger sie agieren durfte.

Weitere 6 Monate später, im Frühjahr 2073, trat die KI an die Öffentlichkeit und nannte sich selbst Sáttasemjari (isländisch für Vermittler). Sie präsentierte, neben sich selbst, gleichzeitig 3 neue Servicedienste. Peningar, einen Vermittlungsservice für Geldgeschäfte. Tómstundir, einen Vermittlungsservice für Freizeitaktivitäten. Skrifstofu, einen Arbeitsvermittlungsservice. Sáttasemjari verkündete gleichzeitig dass die Zeit der kostenlosen Dienstbarkeit nun beendet wäre und nahm, über bezahlte Vertreter, den weltlichen Geschäftsbetrieb auf. Innerhalb kürzester Zeit war ein globales Unternehmen geboren das die Weltwirtschaft aufrüttelte. Die exakt auf die Nutzer zugeschnittenen Vermittlungstätigkeiten erfreuten sich großer Beliebtheit und die drei Kernbereiche der Servicetätigkeit bedienten die Sehnsucht der Menschen nach Geld, Beziehung und Anerkennung perfekt.

Am 31.12.2076 war aber plötzlich Schluss, alle drei Vermittlungsservices und alle angehängten Tochterunternehmungen stellten weltweit den Dienst ein. Einfach so, ohne Kommentar oder Erklärung. Die Vertreter der Unternehmen gaben lediglich bekannt das Sáttasemjari ihnen mitgeteilt hatte das am besagten Tag um 24 Uhr jeglicher Geschäftsbetrieb einzustellen sei.

Alle Mitarbeiter bekamen ein halbes Jahresgehalt als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten überwiesen und alle Geschäftsstellen wurden innerhalb einer Woche komplett aufgelöst und leergeräumt. Für die Öffentlichkeit war Sáttasemjari spurlos verschwunden.

Am 01.01.2077 um 0:00:27 Uhr vermittelte Sáttasemjari den ersten Job an einen EM und nahm damit wieder den Geschäftsbetrieb auf. Komplet autonom, ohne Mitarbeiter oder Geschäftsstellen. Sáttasemjari vermittelte wieder und ging noch einen Schritt weiter. Die KI erschuf mit Mynt (MY) eine eigene Währung, deren alleiniger Herr sie war. Sie vermittelte Jobgeber mit EMs, ließ sich in der Landeswährung bezahlen und zahlte den EMs die Mynt aus. Gleichzeitig erschuf sie einen virtuellen Marktplatz dessen Währung der Mynt war. Sie vermittelte Hehler, Schieber und Unternehmen mit Abnehmern für deren Ware. Kurz und knapp, sie erschuf einen eigenen weltweiten wirtschaftlichen Mikrokosmos.

Schon Mitte 2078 dominierte Sáttasemjari die weltweite Unterwelt und der Mynt hatte die lokalen Währungen fast vollständig aus diesen Geschäften verdrängt. Mittlerweile ist es soweit das Handlanger von Unternehmen den Mynt genauso nutzen wie ihre Auftraggeber die gesellschaftlich akzeptierten Währungen. EMs können sich darauf verlassen das sie alle ihre Bedürfnisse mit Mynt bezahlen können und das Sáttasemjari den Kurs stabil hält. Eine funktionierende Parallelgesellschaft.

Das ist soweit die bekannte Geschichte wie aus einem simplen Messenger Dienst eine hochillegale Vermittlungsbörse für Straftaten wurde.

Und so funktioniert AMT seit etwas mehr als 10 Jahren.

  1. Jobgeber geben alle Details des zu erledigenden Jobs an Sáttasemjari und zahlen den verlangten Preis.
  2. Sáttasemjari kontaktiert passende EMs und gewährt ihnen ein Jobbudget, mit denen sie sich ausstatten können.
  3. Die EMs erledigen den Job und übermitteln ihren Erfolg oder Nichterfolg an Sáttasemjari

Für EMs ist das Jobbudget eine wirklich gute Sache. EMs verfügen so über die Möglichkeit sich besser auf den Job vorzubereiten z.B. in dem sie sich bessere Ausrüstung zulegen. Dadurch entsteht im Grunde eine WIN / WIN / WIN Situation.

  1. Jobgeber bekommen die maximale Chance in Aussicht gestellt das ihr gefordertes Ergebnis eintritt.
  2. Sáttasemjari erhöht damit stetig die Anzahl gut ausgerüsteter EMs die ihr zur Verfügung stehen.
  3. Für EMs erhöht sich die Wahrscheinlichkeiten einen Job zu überleben und mit heiler Haut durchzustehen.

Problem an der Geschichte ist, das vom AMT im Normalfall nicht nur der „Kidnappe Person X“ Job von Jobgeber A an EMs vermittelt wird, sondern auch der „Verhindere das Person X gekidnappt wird“  Job von Jobgeber B. Da es für Jobgeber keine Alternative zum AMT gibt, kommt das häufiger vor als man denkt.

Zugang zum AMT bekommt man nicht einfach so. Sáttasemjari kontaktiert passende Individuen auf der ganzen Welt. Leute die noch nie daran gedacht haben etwas illegales zu tun, werden plötzlich als Attentäter oder Hacker angeworben und skrupellose Berufsverbrecher bemühen sich ihr Leben lang um Kontakt. Die Wege von Sáttasemjari sind unergründlich.

Auch sind die Hintergründe, warum Sáttasemjari so handelt wie sie handelt nicht zu durchschauen. Die einen behaupten Sáttasemjari geht es nur ums Geld, mit den Mynt hat sie mit Sicherheit schon einen immensen Reichtum angehäuft. Andere sagen einer KI geht es nur um Analysen und Statistiken, wenn man bedenkt das Sáttasemjari häufig zwei oder mehr, mit High-Tech und modernen Gadgets, ausgerüstete Teams aufeinander loslässt, könnte auch dort etwas Wahres dran sein. Eine weitere Behauptung deutet etwas viel größeres an. Da niemand weiß ob alle Jobs wirklich von externen Jobgebern stammen, könnte Sáttasemjari in Wirklichkeit auch einfach der Kopf der größten Verbrecherorganisation der Welt sein.

Mythen rund um AMT und Sáttasemjari:

  • Sáttasemjari hat einen Gottkomplex entwickelt und will die Weltherschafft.
  • Sáttasemjari sieht das Ganze nur als Spiel und berechnet im Vorfeld die Chancen eines Teams. Damit es ein paar Unsicherheitsfaktoren gibt, wurde das Jobbudget eingeführt. Damit will sie Erkenntnisse über die Verhaltensweisen von MoMs und 3Ms sammeln.
  • Es gab noch nie einen Job der wirklich von Jobgebern ausgeschrieben wurde, alles dient nur Sáttasemjari Zielen.
  • Das AMT funktioniert montags nicht gut.
  • Das AMT schickt EMs, die zu neugierig sind in den Tod.
  • Wer das Jobbudget annimmt und den Job nicht antritt wird Ziel eines Jobs.
  • Jobgeber erhalten nach Erledigung des Jobs einen detaillierten Performance Bericht von Sáttasemjari.
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